Ijara wa iqtina – vom Mieter zum Eigentümer

Ijara wa iqtina – vom Mieter zum Eigentümer

Ein schariakonformes Mietverhältnis mit anschließendem Eigentumsübergang, gestützt auf zwei getrennte Zusagen und echte Pflichten des Vermieters.

Ijara wa iqtina ist eine islamische Finanzierungsform, bei der ein Institut einen Vermögenswert kauft, ihn für eine vereinbarte Laufzeit an den Kunden vermietet und ihm am Ende das Eigentum durch einen Verkauf oder eine Schenkung überträgt, die in einer separaten Zusage geregelt ist.

Woher stammt der Begriff Ijara wa iqtina?

Der arabische Ausdruck bedeutet wörtlich Miete und Erwerb. Mehrere frühe islamische Banken verwendeten ihn für ein Mietverhältnis, an dessen Ende der Mieter Eigentümer wird. Neuere Fachliteratur, darunter Veröffentlichungen der AAOIFI, spricht für dieselbe Familie von Strukturen meist von Ijara Muntahia Bittamleek.

Zwei getrennte Verträge: zuerst Miete, dann Übertragung

Die zentrale Regel verbietet, Miete und Kauf in einem bedingten Vertrag zu verschmelzen, denn sonst entstünden zwei Verkäufe in einem und Unklarheit über das Geschäft. Zuerst wird der Mietvertrag geschlossen; die Übertragung steht in einem eigenständigen Dokument, das erst bei Fälligkeit greift.

Das einseitige Versprechen, das nur eine Partei bindet

Die Übertragung beruht meist auf einem einseitigen Versprechen: Der Vermieter verpflichtet sich, das Objekt zu verkaufen oder zu schenken, wenn alle Raten gezahlt sind, oder der Kunde verspricht den Kauf. Die Standards erlauben nur ein einseitig bindendes Versprechen, kein beidseitiges, das einem vorweggenommenen Kauf gleichkäme.

Das Sparkonto für den schrittweisen Rückkauf

In einigen historischen Varianten zahlt der Kunde zusätzlich zur Miete Beträge auf ein Anlagekonto ein, das die Bank nach dem Mudaraba-Prinzip verwaltet. Die erzielten Gewinne erhöhen dieses Guthaben, mit dem später der vereinbarte Erwerbspreis beglichen wird, sobald das Mietverhältnis sein Ende erreicht hat.

Was der Vermieter als echter Eigentümer trägt

Während der Laufzeit bleibt das Institut Eigentümer und trägt die Eigentumsrisiken: strukturelle Mängel, größere Instandhaltung und Versicherung des Objekts. Der Mieter haftet für gewöhnlichen Gebrauch und eigene Fahrlässigkeit. Würden alle diese Risiken auf den Kunden abgewälzt, verlöre die Miete ihre Substanz.

Was geschieht, wenn das Mietobjekt zerstört wird?

Geht der Vermögenswert ohne Verschulden des Mieters verloren, endet das Mietverhältnis, und für den Restzeitraum sind keine Raten mehr geschuldet. Der Vermieter wendet sich dann an seine Versicherung, idealerweise eine Takaful-Deckung. Der Kunde kann nicht gezwungen werden, für etwas weiterzuzahlen, das gar nicht mehr existiert.

Feste Miete oder Anpassung an einen Referenzwert

Die Miete kann für die gesamte Laufzeit fest sein oder regelmäßig anhand eines Marktreferenzwerts angepasst werden, sofern die Formel bei Vertragsschluss bekannt ist und der Betrag jeder neuen Periode vor deren Beginn feststeht. Eine rückwirkende Erhöhung bereits fälliger Raten ist dagegen nicht zulässig.

Zahlungsverzug und die Zusage einer wohltätigen Spende

Der Vermieter darf die Miete nicht erhöhen, um einen Verzug auszugleichen, denn das liefe auf Riba auf eine Schuld hinaus. Stattdessen verpflichtet sich der Kunde vertraglich, einen Betrag an wohltätige Zwecke zu zahlen, mitunter ergänzt um die Erstattung der tatsächlich angefallenen Inkassokosten des Vermieters.

Ijarah mit anschließendem Verkauf bei malaysischen Autofinanzierungen

In Malaysia beruht ein Großteil der islamischen Fahrzeugfinanzierung auf Ijarah mit anschließendem Verkauf, kurz AITAB. Die Bank kauft das Auto, vermietet es gegen Monatsraten und verkauft es am Laufzeitende über einen gesonderten Kaufvertrag an den Kunden.

Was Bank Negara Malaysia von Ijarah-Produkten erwartet

Bank Negara Malaysia hat ein eigenes Policy-Dokument zur Ijarah veröffentlicht, das die wesentlichen Scharia-Bedingungen und operativen Erwartungen festlegt: Bestimmung des Objekts, Eigentum des Vermieters vor der Vermietung, Verteilung der Instandhaltungskosten und Umgang mit Ereignissen während der Laufzeit. Malaysische Banken richten ihre Produkte danach aus.

Worin unterscheidet sie sich vom klassischen Mietkauf?

Beim konventionellen Mietkauf besteht der Preis aus Kapital plus Zinsen, und Verzugsgebühren laufen weiter auf. Hier stammen die Erträge aus der Vermietung eines tatsächlich gehaltenen Objekts, der Vermieter trägt das Eigentumsrisiko, und die Übertragung folgt aus einem getrennten Versprechen statt aus einer automatischen Vertragsklausel.

Was der Anbieter vor der Unterschrift bestätigen sollte

Fragen Sie, wer Versicherung und größere Instandhaltung zahlt, wie die Miete angepasst wird, was bei vorzeitiger Ablösung oder Diebstahl geschieht und welcher Endpreis für den Erwerb gilt. Verlangen Sie zudem die Referenz der Stellungnahme des Scharia-Gremiums, das das Produkt genehmigt hat.

Spezialisierte externe Quelle

Die Seiten von Bank Negara Malaysia beschreiben den Ijarah-Rahmen für malaysische Islamic Banks, einschließlich der Scharia-Anforderungen und des erwarteten Verhaltens gegenüber Kunden.

Bank Negara Malaysia – Islamic Banking & Takaful