Ein islamischer Investmentfonds ist ein kollektives Anlagevehikel, das Gelder vieler Anteilsinhaber in schariakonform geprüfte Werte investiert, von einem religiösen Gremium beaufsichtigt wird und verbotene Branchen, übermäßige Verschuldung sowie jede Verzinsung ausschließt.
Vier Gruppen schariakonformer Fonds
Es gibt Aktienfonds mit geprüften börsennotierten Unternehmen, Sukuk-Fonds mit regelmäßigen Erträgen, islamische Geldmarktfonds mit Rohstoff-Murabaha und kurzen Sukuk sowie Immobilienfonds, die Ijara-Mieten vereinnahmen. Jede Gruppe hat ein eigenes Risiko- und Liquiditätsprofil.
Indexfonds oder aktives Management: zwei Ansätze
Ein Indexfonds bildet einen islamischen Index eines Indexanbieters nach, dessen Bestandteile bereits gefiltert sind. Ein aktiver Manager wählt selbst Titel aus dem konformen Universum, was höhere Kosten verursacht, aber das Meiden von Grenzfällen erlaubt.
Islamische Geldmarktfonds und ihre Rendite
Ohne verzinste Einlagen legen diese Fonds ihre Liquidität in kurzfristiger Rohstoff-Murabaha bei islamischen Banken an. Ihre Rendite folgt daher den Interbankenmargen, ist aber nie garantiert und kann von Woche zu Woche leicht schwanken.
Warum ein Fonds kein Kapital versprechen darf
Eine Kapitalgarantie würde den Anteil in eine verzinste Forderung verwandeln. Manche sogenannten geschützten Fonds nutzen ein einseitiges Versprechen eines unabhängigen Dritten; mehrere Schariaräte akzeptieren diese Struktur, andere lehnen sie ab, was der Prospekt offenlegen sollte.
Unternehmen nach ihrer Geschäftstätigkeit filtern
Der erste Filter schließt Unternehmen aus, deren Kerngeschäft verboten ist: konventionelle Banken und Versicherungen, Alkohol, Schweinefleisch, Glücksspiel, Tabak oder Erwachsenenunterhaltung. Eine nebensächliche unzulässige Tätigkeit wird geduldet, solange sie unter einer Umsatzschwelle der Methodik bleibt.
Die Schwellen von 5 % und 20 % in Malaysia
Die Methode der Securities Commission Malaysia toleriert 5 % Umsatz aus eindeutig verbotenen Tätigkeiten wie Alkohol oder Zinsen und 20 % bei gemischten Tätigkeiten wie Hotels oder der Vermietung an Mieter mit nicht konformem Geschäft.
Verschuldungs- und Liquiditätsquoten im Blick
Der zweite Filter prüft die Finanzstruktur: Verzinsliche Schulden und zinstragend angelegte Barmittel dürfen etwa ein Drittel des Unternehmenswerts nicht übersteigen. Indexanbieter beziehen die Quote auf die Marktkapitalisierung, Malaysia auf die Bilanzsumme.
Was geschieht, wenn ein Unternehmen die Kriterien verfehlt?
Überschreitet ein gehaltener Titel eine Schwelle, muss der Manager ihn innerhalb einer vom Schariarat festgelegten angemessenen Frist verkaufen. Nach dem Datum der Nichtkonformität erzielte Gewinne gehen in der Regel an wohltätige Zwecke, frühere Gewinne verbleiben im Fonds.
Die vom Fonds vereinnahmten Dividenden reinigen
Ein konformes Unternehmen kann geringe Zinsen auf seine Liquidität erhalten. Der Fonds berechnet den entsprechenden Anteil jeder Dividende, etwa 2 %, und spendet ihn. Je nach Fonds übernimmt der Manager die Reinigung oder überlässt sie dem Anleger.
Wakala oder Mudaraba: wie der Manager vergütet wird
Beim Wakala-Mandat erhält der Manager eine feste Gebühr, meist einen jährlichen Prozentsatz des Vermögens, unabhängig von Gewinn oder Verlust. Bei der Mudaraba bekommt er einen vereinbarten Gewinnanteil und bei Verlust nichts, außer er hat fahrlässig gehandelt.
Ein bestellter und verantwortlicher Schariaberater
In Malaysia muss jeder islamische Fonds einen bei der Aufsicht registrierten Schariaberater bestellen. Er genehmigt Prospekt, Screening-Methode und Reinigung und bestätigt jährlich im Fondsbericht, dass die Verwaltung konform geblieben ist.
Kosten mit einem konventionellen Fonds vergleichen
Screening, Prüfungen und der Schariarat verursachen Zusatzkosten, sodass ein islamischer Aktienfonds oft teurer ist als ein vergleichbarer klassischer Indexfonds. Vor der Zeichnung lohnt der Vergleich von laufenden Kosten, Ausgabeaufschlag und Häufigkeit der Reinigung.
Spezialisierte externe Quelle
Die Securities Commission Malaysia veröffentlicht ihre Leitlinien für islamische Fonds und ihre Methode zum Wertpapier-Screening, eine weit über Malaysia hinaus beachtete Referenz.
