Islamische Altersvorsorge bezeichnet den langfristigen Kapitalaufbau in scharia-konformen Anlagen wie geprüften Aktien, Sukuk, Immobilien oder Familien-Takaful, um nach dem Erwerbsleben ein Einkommen zu finanzieren, ohne Zinsen oder verbotene Garantien.
Zwei getrennte Phasen: ansparen und entnehmen
Eine Altersvorsorge besteht aus einer Ansparphase von oft zwanzig bis vierzig Jahren und einer anschließenden Auszahlungsphase. Die islamischen Anforderungen unterscheiden sich: zuerst erlaubte Anlagen wählen, später das Kapital ohne aleatorischen Vertrag oder Zins in Einkommen umwandeln.
Was ein konformer Pensionsfonds enthält
Ein islamischer Vorsorgefonds investiert meist in geprüfte Aktien, Sukuk und mitunter in Immobilien oder Mudaraba-Einlagen. Klassische Staatsanleihen, das Rückgrat vorsichtiger konventioneller Fonds, fehlen hier vollständig, was das Risikoprofil des Portfolios spürbar verändert.
Anleihen durch Sukuk ersetzen
Um die Schwankungen vor dem Ruhestand zu senken, erhöht der Verwalter den Sukuk-Anteil, der Mieten oder Gewinne aus realen Vermögenswerten ausschüttet. Da der Markt enger ist und sich auf wenige staatliche Emittenten konzentriert, bleibt die regionale Streuung begrenzter.
Altersabhängige Lebenszyklusmodelle anpassen
Lebenszyklusprofile senken das Risiko des Portfolios schrittweise. In der islamischen Variante erfolgt die Umschichtung in Sukuk und in Mudaraba oder Wakala angelegte Liquidität mit nicht garantierter Rendite, während das konventionelle Profil auf festverzinsliche Anleihen setzt.
Scharia-Fonds in betrieblichen und staatlichen Systemen
Mehrere Systeme bieten eine Scharia-Option: Im Vereinigten Königreich führen manche Betriebsrentenpläne einen islamischen Fonds in ihrer Auswahl, und in Malaysia hat der Vorsorgefonds der Arbeitnehmer ein Simpanan-Shariah-Konto eingeführt. Anderswo hängt es vom Anbieter ab.
Malaysische Privatpläne mit Scharia-Option
Malaysias Private Retirement Schemes stehen unter Aufsicht der Securities Commission und umfassen neben klassischen auch scharia-konforme Fonds. Sparer wählen einen zugelassenen Anbieter und verteilen ihre Beiträge auf mehrere Fonds, darunter mindestens eine islamische Reihe.
Die Option des Arbeitgebers prüfen
Ein als islamisch bezeichneter Fonds sollte sein Scharia-Gremium, seine Screening-Methode und seine Bereinigungspolitik nennen. Zu prüfen ist auch, ob die Verwaltungskosten über denen der Standardoption liegen, denn das wiegt über dreißig Sparjahre schwer.
Familien-Takaful: Sparen und Absicherung kombiniert
Familien-Takaful verbindet ein Anlagekonto auf den Namen des Teilnehmers mit einem Solidaritätsfonds, der aus Tabarru-Beiträgen gespeist wird. Stirbt der Teilnehmer vor dem Ruhestand, erhalten die Begünstigten das angesparte Kapital und zusätzlich eine vertraglich festgelegte Leistung.
Warum die klassische Leibrente problematisch ist
Eine konventionelle Leibrente zahlt gegen einen Einmalbetrag eine feste Summe bis zum Tod: Der Versicherer wettet auf die Lebensdauer und legt in Anleihen an. Viele Gelehrte sehen darin Gharar und Riba, auch wenn manche gemeinschaftliche Varianten zulassen.
Entnahmepläne und Sukuk-Erträge
Eine Alternative besteht darin, das Kapital in einem konformen Fonds zu belassen und monatlich einen vereinbarten Betrag zu entnehmen, etwa 4 % pro Jahr. Das Einkommen ist nicht lebenslang garantiert, doch der Sparer bleibt Eigentümer, und das Vermögen geht an die Erben.
Ist auf gebundenes Vorsorgekapital Zakat fällig?
Die Meinungen gehen auseinander. Manche Gelehrte verlangen jährlich Zakat auf den zugänglichen Teil oder auf den Wert der zakatpflichtigen Fondsanlagen; andere verschieben sie auf den Zeitpunkt der Verfügbarkeit, weil vorher das volle Eigentum fehle.
Vor der ersten Einzahlung ein Produkt auswählen
Vergleichen Sie Anlagehorizont, Sukuk-Anteil, jährliche Gesamtkosten und Scharia-Gremium. Ein Kostenunterschied von 0,5 % bei 50.000 Euro über dreißig Jahre kann zum Rentenbeginn mehrere tausend Euro weniger Kapital bedeuten.
Spezialisierte externe Quelle
Die Standards der AAOIFI behandeln unter anderem Aktien und Wertpapiere, Sukuk, islamische Versicherung und Zakat, also Regeln, auf denen langfristige Sparprodukte beruhen.
