Verkauf, Rückmiete und Rückkauf: der Lebenszyklus eines Ijara-Sukuk

Verkauf, Rückmiete und Rückkauf: der Lebenszyklus eines Ijara-Sukuk

Von der Übertragung des Vermögenswerts bis zur Rückzahlung jeder Schritt einer Emission, die auf der Vermietung eines realen Guts beruht.

Ein Ijara-Sukuk ist ein Zertifikat, das einen Eigentumsanteil an einem vermieteten Gut wie einem Gebäude oder einem Flugzeug verbrieft, dessen vom Mieter gezahlte Mieten bis zum abschließenden Rückkauf die periodische Rendite der Inhaber bilden.

Sale-and-Leaseback als Kern der Emission

Der Initiator, oft ein Staat oder ein Großunternehmen, verkauft einen Vermögenswert an eine Zweckgesellschaft, die die Zertifikate begibt. Mit dem Emissionserlös wird der Kaufpreis bezahlt, danach vermietet die Zweckgesellschaft das Gut sofort für die gesamte Laufzeit an den Initiator zurück.

Welche Vermögenswerte eignen sich?

Benötigt wird ein dauerhaftes, bestimmbares und nutzbares Gut: Verwaltungsgebäude, mautpflichtige Straßen, Grundstücke, Flugzeug- oder Schiffsflotten. Geld, Verbrauchsvorräte und Forderungen scheiden aus, denn was sich durch Gebrauch verbraucht, kann nicht vermietet werden.

Eigentum wird übertragen, aber welches?

Bei vielen Staatsemissionen erhalten die Inhaber nur wirtschaftliches Eigentum, während der rechtliche Titel beim Staat bleibt, um Grunderwerbsabgaben oder Bodenbeschränkungen zu vermeiden. Dadurch ist der Sukuk lediglich vermögensbasiert und nicht im engeren Sinn vermögensbesichert.

Asset-based oder asset-backed: der Unterschied im Ausfall

Zahlt der Initiator nicht mehr, wenden sich Inhaber eines asset-based Sukuk vor allem aufgrund der Rückkaufverpflichtung an ihn. Bei einer asset-backed Struktur erlaubt der echte Verkauf grundsätzlich, das Gut zu verwerten, was in der Praxis selten vorkommt.

Die Miete festlegen: fest oder an einen Referenzwert gekoppelt

Die Miete kann über die gesamte Laufzeit gleich bleiben oder regelmäßig an einen Marktreferenzwert angepasst werden. Die Scharia lässt das zu, sofern der Betrag der ersten Periode feststeht und jede Anpassung vor Beginn der betreffenden Periode berechnet wird.

Beispiel: ein Gebäude über 200 Millionen auf fünf Jahre

Die Inhaber kaufen das Gebäude für 200 Millionen und vermieten es für 10 Millionen jährlich an den Staat. Jedes Jahr erhalten sie diese Mieten, also 5 Prozent Rendite. Bei Fälligkeit kauft der Staat das Gebäude für 200 Millionen zurück und die Zertifikate erlöschen.

Wer versichert und unterhält das vermietete Gebäude?

Bei der Ijara tragen der Vermieter und damit die Inhaber die strukturelle Instandhaltung und die Versicherung. Praktisch beauftragen sie den Initiator als Service-Agenten, der diese Aufgaben erfüllt und die Kosten mit den Mieten verrechnet; laufende Pflege bleibt beim Mieter.

Totalverlust des Guts: was dann?

Wird das Gut zerstört, endet die Miete, weil kein Nutzen mehr zu bezahlen ist. Die Leistungen der vom Service-Agenten abgeschlossenen Takaful-Deckung zahlen dann die Inhaber aus; reichen sie durch Verschulden des Agenten nicht, haftet dieser für die Differenz.

Rückkauf zum Marktpreis oder zum Nennwert?

Der Initiator unterzeichnet ein einseitiges Kaufversprechen. Nach AAOIFI-Standards darf dieser Preis bei der Ijara dem Ursprungswert entsprechen, weil der Vermieter echte Eigentumsrisiken trägt, während eine solche Nennwertgarantie bei Musharaka-Sukuk unzulässig ist.

Warum diese Zertifikate frei gehandelt werden

Das Zertifikat verkörpert ein reales Gut und dessen Mieten, keine Geldschuld. Es darf daher am Sekundärmarkt zu jedem Preis gekauft und verkauft werden, weshalb Staaten und liquiditätsorientierte Anleger diese Struktur bevorzugen.

Bekannte staatliche Emissionen

Das Vereinigte Königreich begab 2014 einen Staats-Sukuk auf Basis der Vermietung öffentlicher Gebäude, und viele Staaten am Golf, in Asien und Afrika nutzen diese Struktur. Auch Zentralbanken verwenden sie als Vorlage für Liquiditätsinstrumente.

Risiken, die Anleger abwägen sollten

Hauptrisiko bleibt die Bonität des Initiators, da Mieten und Rückkauf von ihm abhängen. Hinzu kommen Rechtsrisiken bei der Eigentumsübertragung, die örtliche Besteuerung des Mietobjekts und bei variablen Mieten schwankende Erträge von Periode zu Periode.

Spezialisierte externe Quelle

Der IWF stellt seine Arbeiten zur islamischen Finanzwirtschaft vor, darunter Analysen des Sukuk-Markts und Empfehlungen an staatliche Emittenten zum rechtlichen und steuerlichen Rahmen.

IMF – Islamic Finance