In Dänemark beschränken sich islamische Finanzlösungen derzeit auf schariagefilterte Anlagen sowie zinsfreie Spar- oder Wohnstrategien, da seit dem Stillstand des 2008 gestarteten Amanah-Kredit-Experiments keine islamische Bank im Land tätig ist.
Kein islamisches Institut in Betrieb
Derzeit gibt es in Dänemark keine tätige islamische Bank, und die großen dänischen Banken vertreiben keine schariakonformen Produkte. Muslime im Land, vor allem rund um Kopenhagen, Aarhus und Odense ansässig, behelfen sich daher mit dem konventionellen Angebot oder ausländischen Lösungen.
Amanah Kredit, eine Initiative von vier Sparkassen
2008 gründeten vier Sparkassen aus Nordjütland, darunter Sparekassen Farsø und Sparekassen Hobro, gemeinsam die Gesellschaft Amanah Kredit, um Wohneigentum schariakonform zu finanzieren. Die Zielkunden lebten vor allem in Aalborg, wo das Interesse groß gewesen war.
Verkauf mit bedingter Eigentumsurkunde
Die Gesellschaft kaufte die vom Kunden gewählte Immobilie und verkaufte sie ihm mit bedingter Urkunde weiter: Der Käufer bewohnte das Haus, wurde aber erst mit der letzten Zahlung, oft nach dreißig Jahren, voller Eigentümer. Das ähnelt einem Ratenkauf unter Eigentumsvorbehalt.
Zahlungen als Wechselkursverlust behandelt
Laut einer Ministerantwort an das Parlament wurden die Zahlungen des Kunden nach einem Wechselkursanpassungsprinzip berechnet, da der Vertrag auf Euro statt Kronen lautete. So sollten sie steuerlich als Wechselkursverlust statt als Zinsen abzugsfähig werden.
Warum das Experiment Randerscheinung blieb
2010 meldete das zuständige Ministerium, dass Amanah Kredit nur rund 20 Millionen Kronen an Finanzierungen vergeben hatte, eine verschwindende Größe für den dänischen Wohnungsmarkt. Andere Banken übernahmen das Modell nicht, ein landesweites Angebot entstand nie.
Die Sperre im Grundbuch
Das Haupthindernis war die Eintragung der Urkunden: Das Grundbuchamt weigerte sich, diese bedingten Titel einzutragen, da ihr Inhalt zu unklar sei, um als endgültig festgelegt zu gelten. Ohne Eintragung war Rechtssicherheit für Käufer und Finanzierer kaum zu erreichen.
Das Realkredit-Modell als strukturelle Hürde
In Dänemark läuft der Wohnungskauf überwiegend über Hypothekenkreditinstitute, die sich durch verzinste gedeckte Anleihen refinanzieren. Ein islamisches Produkt bräuchte eine andere Refinanzierung, etwa Sukuk, die es am dänischen Markt nicht gibt.
Was die Finanstilsynet prüft
Die Finanzaufsicht lizenziert Banken, Hypothekeninstitute und Fondsverwalter, auch Amanah Kredit unterlag ihren Regeln, etwa zur Geldwäsche. Bevor Einwohner einer ausländischen Halal-Plattform Geld anvertrauen, können sie auf ihrer Website die Zulassung prüfen.
Ersparnisse ohne Zinsertrag halten
Viele dänische Girokonten zahlen gar keine Zinsen, sodass sich Geld ohne Riba anlegen lässt. Einlagen sind durch den dänischen Garantiefonds bis zum Gegenwert von 100.000 Euro je Einleger und Bank geschützt, wie überall in der Europäischen Union.
Gefilterte Fonds im Aktiesparekonto
Das dänische Aktiensparkonto erlaubt es, Aktien und bestimmte Fonds pauschal besteuert zu halten. Einwohner können dort schariakonforme ETFs platzieren, sofern diese auf der Liste zugelassener Fonds der dänischen Steuerverwaltung stehen.
Jährliche Besteuerung ausländischer ETFs
Außerhalb dieses Kontos werden viele ausländische ETFs jährlich auf unrealisierte Gewinne besteuert, auch ohne Verkauf. Ein Halal-Anleger muss daher Liquidität für die Steuer bereithalten und zusätzlich den vom Indexanbieter als nicht konform gemeldeten Dividendenanteil reinigen.
Andelsbolig und Miete statt Kredit
Um zinsfrei zu wohnen, wählen manche einen Anteil an einer Wohnungsgenossenschaft, oft günstiger als eine Eigentumswohnung und mitunter bar bezahlbar, oder eine Sozialmietwohnung. Diese Wege vermeiden Kredite, begrenzen aber den Aufbau vererbbaren Immobilienvermögens.
Spezialisierte externe Quelle
Auf der Website der Finanstilsynet lässt sich prüfen, ob eine Bank, ein Kreditgeber oder eine Wertpapierfirma in Dänemark zugelassen ist, zudem veröffentlicht sie Warnungen.
