In den Niederlanden bleibt Islamic Finance eine Nische: Es gibt keinen eigenen Rahmen, jedes Bankgeschäft braucht eine reguläre Lizenz von De Nederlandsche Bank, und verfügbare Halal-Produkte beschränken sich vor allem auf Geldanlagen und einige private Initiativen.
Keine Sonderregeln im niederländischen Recht
Das niederländische Finanzaufsichtsgesetz Wft enthält kein eigenes Kapitel zu islamischen Verträgen oder Scharia-Gremien. Ein Institut, das Murabaha oder Ijara anbieten möchte, muss sich in die bestehenden Kategorien Bank, Hypothekengeber oder Fondsverwalter einfügen.
Zwei Aufseher für ein Vorhaben
Die DNB prüft die aufsichtsrechtliche Solidität und erteilt Banklizenzen, die AFM überwacht Geschäftsgebaren und Kundeninformation. Wer Halal-Produkte anbieten will, muss also beide Behörden überzeugen, zusätzlich zum eigenen Scharia-Gremium.
Der EU-Pass als einfachster Weg
Eine in einem anderen EU-Staat zugelassene Bank kann niederländische Kunden grundsätzlich über den Europäischen Pass bedienen. Das erspart eine neue Lizenz, doch auch ein ausländisches Institut muss die niederländischen Regeln für Verbraucher- und Hypothekenkredite einhalten.
Einlagensicherung und Mudaraba
Das niederländische System sichert Einlagen bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Ein Mudaraba-Anlagekonto setzt aber voraus, dass der Sparer Verluste mitträgt; eine kapitalgarantierte Einlage widerspricht dem, weshalb Girokonten und Anlagekonten klar getrennt werden müssen.
Warum die Immobilien-Murabaha an der Steuer scheitert
Bei einer Murabaha kauft die Bank das Haus und verkauft es mit einem Aufschlag gegen Ratenzahlung an den Kunden weiter. Das niederländische Finanzamt behandelt diesen Aufschlag anders als Zinsen, obwohl der Hypothekenzinsabzug die tatsächlichen Kosten eines Hauskaufs stark prägt.
Der Abzug von Hypothekenzinsen
Ein konventioneller Kreditnehmer kann Zinsen für die Finanzierung seiner selbst genutzten Wohnung unter Tilgungsauflagen vom steuerpflichtigen Einkommen abziehen. Ohne gleichwertige Anerkennung des Aufschlags zahlt ein muslimischer Haushalt für dieselbe Wohnung mehr, und das Produkt ist kaum wettbewerbsfähig.
Die Steuerabsage an Bilaa-Riba im Jahr 2008
Bilaa-Riba Islamic Finance, 2006 gestartet, bemühte sich über drei Jahre um die Abzugsfähigkeit seines Aufschlags. Nach einer zweiten Ablehnung durch die Steuerverwaltung 2008 verlor das Angebot seinen Reiz, und das Unternehmen stellte den Geschäftsbetrieb ein.
Grunderwerbsteuer: das Risiko doppelter Belastung
Erwirbt die Bank die Immobilie und überträgt sie dann an den Kunden, können zwei aufeinanderfolgende Übertragungen zweimal Grunderwerbsteuer und zwei Notarurkunden auslösen. Ohne Entlastung kommen diese Kosten zum verlorenen Zinsabzug hinzu und belasten jedes Modell mit Bankeigentum.
Öffentliche Debatte über einen noch fehlenden Markt
Niederländische Medien berichten regelmäßig über Halal-Hypotheken und verweisen auf hohe potenzielle Nachfrage und gescheiterte Versuche. Die schrittweise Kürzung des Hypothekenzinsabzugs wurde als Faktor genannt, der die Kostenlücke zur islamischen Finanzierung verringern könnte.
Aktien und Sukuk über ein Wertpapierdepot
Da das lokale islamische Bankangebot sehr dünn ist, kaufen viele Sparer über einen Online-Broker schariagefilterte Indexfonds oder im Ausland notierte Sukuk. Prüfen sollten sie die Filtermethodik und die Art, wie nicht konforme Dividendenanteile gereinigt werden.
Box 3: wie Halal-Ersparnisse besteuert werden
Private Kapitalanlagen fallen in die Box 3 und werden auf eine fiktive Rendite je Anlageklasse besteuert. Wer islamische Fonds statt eines Sparbuchs hält, wird also nach den Regeln für Investments besteuert, nicht nach einem eigenen Halal-Regime.
Versicherung: kein Takaful-Anbieter
Auf dem niederländischen Markt ist kein zugelassener Takaful-Anbieter bekannt, Hausrat- und Haftpflichtversicherung bleiben konventionell. Manche Muslime nutzen Gegenseitigkeits- oder Genossenschaftsmodelle, die der gegenseitigen Hilfe ähneln, ohne nach AAOIFI-Standards gestaltet zu sein.
Spezialisierte externe Quelle
De Nederlandsche Bank erläutert auf ihrer Website die Zulassungsvoraussetzungen für Banken und Versicherer in den Niederlanden sowie die Funktionsweise der Einlagensicherung.
