Bahrain ist ein Zentrum des islamischen Finanzwesens, in dem die Zentralbank islamische Retail- und Großkundenbanken getrennt lizenziert, eine vierteilige Scharia-Governance verlangt und standardmäßig die Standards der AAOIFI anwendet, einer internationalen Organisation mit Sitz in Manama.
Ein Finanzplatz, der seit Ende der 1970er-Jahre wächst
Bahrain Islamic Bank nahm 1979 als erste islamische Bank des Königreichs den Betrieb auf. In den folgenden Jahrzehnten zog die Währungsbehörde regionale Großkundenbanken an und schrieb dann eigene Regeln, statt diese Häuser nur innerhalb des konventionellen Systems zu dulden.
Der erste Aufsichtsrahmen speziell für islamische Banken
Die frühere Währungsbehörde veröffentlichte einen Rahmen zu Eigenkapital, Aktivqualität und Scharia-Konformität islamischer Banken, der häufig als allererster seiner Art bezeichnet wird. Das heutige Regelwerk der Zentralbank widmet diesen Instituten bis heute weiterhin einen eigenen vollständigen Band.
Vier Säulen der Scharia-Governance nach Vorgabe der Aufsicht
Das Modul zur Scharia-Governance gilt für islamische Retail- wie Großkundenbanken und verlangt einen Scharia-Aufsichtsrat, eine Funktion zur Koordination und Umsetzung seiner Beschlüsse, eine eigene interne Scharia-Revision und schließlich auch eine unabhängige externe Prüfung der Konformität.
Was prüft die externe Scharia-Revision?
Der externe Prüfer erlässt selbst keine Fatwas. Er kontrolliert, ob die tatsächlich ausgeführten Geschäfte den Beschlüssen des Scharia-Rats folgen, ob Verträge in der richtigen Reihenfolge unterzeichnet wurden und ob unzulässige Erträge abgesondert und gespendet wurden.
AAOIFI-Standards als Standardreferenz in Manama
Die AAOIFI, die Standards zu Rechnungslegung, Prüfung, Governance und Scharia verfasst, hat ihren Sitz in Manama. Die Zentralbank wendet sie standardmäßig auf islamische Banken an, behält sich aber vor, davon abzuweichen oder sie durch eigene Vorschriften zu ergänzen.
Ein Netz internationaler Organisationen
Neben der AAOIFI beherbergt das Königreich die IIFM, die Musterverträge für Interbanken- und Absicherungsgeschäfte entwirft, die islamische Ratingagentur IIRA und den Generalrat der islamischen Banken und Finanzinstitute. Juristen, Prüfer und Scharia-Experten ballen sich deshalb dort ganz selbstverständlich.
Salam-Sukuk: ein Terminverkauf von Gas
Seit 2001 begibt die Zentralbank monatlich dreimonatige Salam-Sukuk. Der Staat verkauft vorab eine Menge Restgas, erhält den Preis sofort und verpflichtet sich zur Lieferung bei Fälligkeit, sodass die Inhaber der Papiere keine verzinsliche Forderung besitzen.
Kurz und lang laufende Ijara-Sukuk des Staates
Sechsmonatige Ijara-Sukuk, seit 2005 monatlich begeben, beruhen auf der Vermietung staatlicher Vermögenswerte zu einer im Voraus festgelegten Miete. Längere Tranchen von zwei bis zehn Jahren werden bei Bedarf in Dinar oder Dollar ausgegeben, mit staatlichem Rückkaufversprechen.
Liquidität als Achillesferse islamischer Banken
Eine islamische Bank kann Überschüsse weder in klassische Schatzwechsel anlegen noch über Nacht gegen Zinsen Geld aufnehmen. Staatliche Sukuk bieten ihr ein liquides Instrument, und das seit 2003 tätige Liquidity Management Centre wurde als Sekundärmarkt für kurzfristige Papiere konzipiert.
Takaful und Versicherung unter derselben Aufsicht
Die Zentralbank beaufsichtigt zugleich auch die Versicherungen. Ein Takaful-Betreiber muss den Teilnehmerfonds, aus dem Schäden bezahlt werden, von seinen eigenen Konten trennen und erhält dafür je nach Modell eine Wakala-Gebühr oder einen Anteil am Anlageertrag.
Retail- und Großkundenbanken: zwei getrennte Lizenzen
Eine islamische Retailbank betreut Einwohner und nimmt deren Einlagen entgegen, während eine islamische Großkundenbank vor allem große Geschäfte mit institutionellen oder ausländischen Kunden abwickelt. Die Lizenzkategorie bestimmt die erlaubten Tätigkeiten und die Intensität der Aufsicht.
Prüfpunkte für ausländische Kunden und Anleger
Prüfen Sie die Lizenzkategorie im Register der Zentralbank, die Besetzung des Scharia-Rats und ob ein externer Prüfbericht vorliegt. Bedenken Sie außerdem, dass der Dinar an den Dollar gekoppelt ist und ein bahrainisches Produkt in Ihrem Land nicht automatisch zugelassen ist.
Spezialisierte externe Quelle
Die Website der Zentralbank von Bahrain veröffentlicht das Regelwerk für islamische Banken, den Emissionskalender der Salam- und Ijara-Sukuk sowie das Register der zugelassenen Institute.
