Eine islamische Zahlungskarte ist jedes kartenbasierte Zahlungsinstrument, dessen Vertrag, Gebühren und erlaubte Verwendung von einem Scharia-Gremium geprüft und genehmigt wurden, unabhängig davon, ob sie im Alltag als Debitkarte, als Prepaidkarte, als Chargekarte mit Monatsabrechnung oder als Kreditkarte funktioniert.
Vier Kartenfamilien und ihr jeweiliger Vertrag
Die Debitkarte greift auf ein Qard- oder Wadiah-Konto zu; die Prepaidkarte verbraucht vorab geladenes Guthaben; die Chargekarte bündelt die Einkäufe eines Monats; die Kreditkarte gewährt eine Finanzierung. Nur die beiden letzten erzeugen eine Schuld, die eine eigene Scharia-Struktur braucht.
Prepaidkarten für Jugendliche, Reisende und Menschen ohne Konto
Der Inhaber lädt die Karte zuerst auf und zahlt, bis das Guthaben aufgebraucht ist. Da kein Kredit möglich ist, entfällt das Riba-Risiko. Sie eignet sich für Jugendliche, Reisebudgets oder Menschen ohne Bankkonto, doch die Aufladegebühren sollte man vergleichen.
Chargekarte und Monatsabrechnung ohne Verzugszinsen
Bei einer Chargekarte werden die Umsätze eines Monats auf einmal zum Stichtag beglichen, ohne Ratenzahlung. Die islamische Variante berechnet eine feste Servicegebühr statt eines Prozentsatzes auf den Saldo. Verzug darf keine Zinsen auslösen; eine etwaige Vertragsstrafe geht an wohltätige Zwecke.
Revolvierender Kredit über Tawarruq, Ujrah oder Bai al-Inah
Für einen Kreditrahmen nutzen manche Herausgeber Tawarruq, also Kauf und Weiterverkauf von Rohstoffen zur Liquiditätsbeschaffung, andere eine pauschale monatliche Ujrah. Bai al-Inah, in Teilen Südostasiens noch üblich, wird von vielen Gelehrten und von der AAOIFI abgelehnt.
Interbankenentgelt und die Seite des Händlers
Zahlt ein Kunde, überweist die Bank des Händlers ein Interbankenentgelt an die kartenausgebende Bank. Dieses Entgelt gilt allgemein als Preis der Zahlungsdienstleistung. Der Händler erhält etwas weniger als den ausgewiesenen Preis, ohne dass irgendwo ein Darlehen gewährt wird.
Zahlungen per Rückbelastung reklamieren
Bei Betrug oder nicht gelieferter Ware kann der Karteninhaber über das Kartennetz eine Rückbelastung verlangen. Dieser Schutz wirft keine religiösen Fragen auf und funktioniert bei einer islamischen Karte genauso. Man sollte schnell handeln und alle Belege zur Transaktion aufbewahren.
Treuepunkte und Rückvergütungen beim Einkauf
Punkte oder Rückvergütungen sind grundsätzlich zulässig, wenn sie ein Werbegeschenk des Herausgebers sind und keine Gegenleistung für ein Darlehen. Bei einer Kreditkarte werden sie fragwürdig, wenn sie Verschuldung belohnen. Prämien verbotener Partner sollten aus dem Programm ausgeschlossen sein.
Premiumkarten mit eingeschlossenem Versicherungsschutz
Hochwertige Karten enthalten oft Reise- oder Einkaufsversicherungen. Eine islamische Bank stützt diese Leistungen lieber auf Takaful, das auf Gegenseitigkeit und Spende beruht. Prüfen Sie, ob der Schutz von einem Takaful-Anbieter oder einem konventionellen Versicherer stammt, denn der Status unterscheidet sich.
Verfügungsrahmen, Sicherheiten und Rückzahlungsfähigkeit
Der Rahmen richtet sich nach Einkommen und Vorgeschichte des Kunden. Bei einer Kreditkarte kann der Herausgeber eine Sicherheit verlangen, mitunter eine gesperrte Einlage. Ein zu hoher Rahmen begünstigt Überschuldung, die islamische Finanzierung mit ihrer Vorsicht gegenüber Schulden gerade vermeiden will.
Der britische Rahmen und die Liquidität islamischer Banken
Im Vereinigten Königreich kündigte die Bank of England Ende 2020 eine schariakonforme, zinsfreie Einlagefazilität für islamische Banken an, die erste einer westlichen Zentralbank. Sie hilft diesen Häusern beim Liquiditätsmanagement und damit mittelbar bei den Konten hinter ihren Karten.
Welche Karte für welchen Alltagsbedarf?
Wer nur bezahlen und Bargeld abheben möchte, kommt mit der Debitkarte aus. Für eine Reise oder ein Kind begrenzt die Prepaidkarte die Ausgaben. Die Chargekarte dient für Geschäftsausgaben. Eine Kreditkarte ist nur sinnvoll, wenn Struktur und Kosten klar erläutert wurden.
Klauseln, die man in den Bedingungen prüfen sollte
Lesen Sie die Klausel zum verwendeten Vertrag, zur Behandlung von Zahlungsverzug, zur Verwendung von Vertragsstrafen sowie das vollständige Gebührenverzeichnis. Fragen Sie, ob die Fatwa des Scharia-Gremiums genau die beantragte Karte abdeckt und nicht nur die allgemeine Produktpalette der Bank.
Spezialisierte externe Quelle
Die Seite der Bank of England zur islamischen Finanzierung beschreibt unter anderem ihre zinsfreie Liquiditätsfazilität für im Vereinigten Königreich tätige islamische Banken.
