Mieten, Forderungen und Bauprojekte in einem Sukuk: wie geht das?

Mieten, Forderungen und Bauprojekte in einem Sukuk: wie geht das?

Zusammensetzung des Vermögenspools, Schwellen für Sachwerte, Handelbarkeit und die zweite Bedeutung des Begriffs beim Bankkapital.

Ein hybrider Sukuk ist ein islamisches Anlagezertifikat, das durch ein Portfolio verschiedener Vermögensarten gedeckt ist, etwa per Ijara vermietete Güter, Murabaha-Forderungen und Istisna-Verträge, deren gemeinsame Zahlungsströme die periodischen Ausschüttungen an die Inhaber finanzieren.

Ein Pool aus mehreren islamischen Verträgen

Statt nur ein vermietetes Gebäude oder ein Projekt abzugrenzen, bündelt der Emittent unterschiedliche Vermögenswerte in einer Zweckgesellschaft: vermietete Anlagen, Verkäufe mit Zahlungsaufschub und Bauwerke in Fertigung. Jeder Inhaber besitzt einen ungeteilten Anteil am Ganzen.

Warum mischt eine Bank Mieten und Forderungen?

Eine islamische Bank besitzt selten genug vermietete Güter für eine große Emission. Indem sie Murabaha-Forderungen und Istisna-Verträge zu ihrem Ijara-Bestand hinzufügt, mobilisiert sie einen größeren Teil ihrer Bilanz und streut die Ertragsquellen für Anleger.

Rechenbeispiel für einen Pool von 500 Millionen

Angenommen, der Pool umfasst 300 Millionen an vermieteten Anlagen, 150 Millionen Murabaha-Forderungen und 50 Millionen Istisna-Projekte. Mieten, Raten aus Kreditverkäufen und Zahlungen der Bauherren fließen auf ein Sammelkonto, aus dem die Ausschüttungen erfolgen.

Was der Zertifikatsinhaber tatsächlich erhält

Der Inhaber bekommt einen Anteil an den Nettoerträgen des Pools nach Abzug der Verwaltergebühren, keinen Zins auf geliehenes Geld. Fällt ein Mieter aus oder verzögert sich ein Bau, sinkt der Gesamtertrag, auch wenn Glättungsmechanismen häufig vorgesehen sind.

Handel des Zertifikats am Sekundärmarkt

Ein Papier, das eine Schuld verbrieft, darf nur zum Nennwert verkauft werden, sonst wäre die Differenz Riba. Ein hybrider Sukuk wird erst zu Marktpreisen handelbar, wenn reale Vermögenswerte und nicht Forderungen den überwiegenden Teil des Pools bilden.

Mehrheit oder ein Drittel Sachwerte: der Streit um die Schwelle

Viele Scharia-Gremien verlangen, dass Sachwerte und Nutzungsrechte mehr als die Hälfte des Pools ausmachen. Andere lassen ein Drittel genügen und stützen sich auf den Grundsatz, dass das Nebensächliche der Hauptsache folgt. Der Prospekt nennt stets die gewählte Schwelle.

Murabaha-Forderungen und die Bindung an den Nennwert

Eine Forderung aus einem Ratenverkauf ist eine Geldschuld. Für sich genommen darf sie nur zum Nennwert übertragen werden, entsprechend dem Verbot, Schulden mit Abschlag zu verkaufen. Deshalb darf sie nie den Hauptbestandteil eines handelbaren Sukuk bilden.

Wenn der Sachwertanteil während der Laufzeit schrumpft

Vereinnahmte Mieten und getilgte Güter verringern den Sachwertanteil allmählich. Der Verwalter verpflichtet sich daher, neue vermietete Güter nachzuschieben; andernfalls kann die Dokumentation den Handel aussetzen oder eine vorzeitige Rückzahlung vorsehen, je nach Votum des Scharia-Gremiums.

Eine zweite Bedeutung: hybride Kapital-Sukuk

Im Bankwesen bezeichnet hybrid auch unbefristete, nachrangige Sukuk, die islamische Banken zur Stärkung ihres zusätzlichen Kernkapitals begeben. Sie beruhen meist auf einer Mudaraba oder Musharaka und nicht auf einem gemischten Vermögenspool.

Unbefristet, nachrangig, mit streichbarer Ausschüttung

Diese Papiere haben keine feste Laufzeit, stehen im Insolvenzfall hinter den Einlegern und erlauben der Bank, eine Ausschüttung zu streichen, ohne dass ein Ausfall vorliegt. Ein Kündigungsrecht des Emittenten besteht häufig nach fünf Jahren.

Abgrenzung zur klassischen Hybridanleihe

Die konventionelle Hybridanleihe zahlt einen Zinskupon auf den Nennbetrag. Der Kapital-Sukuk vergütet dagegen eine Beteiligung an den Gewinnen eines Pools zulässiger Geschäfte; eine erwartete Rendite wird angegeben, bleibt rechtlich aber an die tatsächlichen Ergebnisse gebunden.

Den Prospekt vor der Zeichnung prüfen

Anleger prüfen die genaue Poolzusammensetzung, die gewählte Sachwertschwelle, die Austauschregeln, einen etwaigen Nachrang und das Scharia-Gremium, das die Fatwa erteilt hat. Diese Zertifikate richten sich vor allem an institutionelle oder erfahrene Anleger.

Spezialisierte externe Quelle

Die von der AAOIFI veröffentlichten Standards, besonders jener zu Investment-Sukuk, legen fest, welche Vermögenswerte ein Portfolio bilden dürfen und wann die Zertifikate handelbar sind.

AAOIFI Issued Standards