Ein islamisches Commercial Paper ist ein kurzfristiges Forderungs- oder Beteiligungspapier, meist mit weniger als einem Jahr Laufzeit, das ein Unternehmen oder Institut zur Finanzierung seines Umlaufvermögens ausgibt und dessen Ertrag aus einem Vermögenswert, einem Verkauf oder einem Mandat statt aus Zinsen stammt.
Ein Liquiditätsbedarf von wenigen Monaten
Ein Unternehmen, das auf saisonale Verkaufserlöse wartet, gäbe konventionell Commercial Paper über drei oder sechs Monate mit Abschlag aus. Da dieser Abschlag ein verdeckter Zins ist, muss ein islamischer Emittent sein Papier an ein echtes Handelsgeschäft knüpfen.
Warum die Diskontierung eines Wechsels problematisch ist
Eine Forderung von 100 für 98 zu kaufen und bei Fälligkeit 100 einzuziehen, heißt Geld gegen später mehr Geld zu tauschen, also Riba al-Nasi'a. Die Scharia verlangt daher, dass der Gewinn aus einem verkauften oder vermieteten Gut oder einer verwalteten Tätigkeit entsteht.
Eine Murabaha-Struktur hinter dem Papier
Die Anleger finanzieren den Kauf von Waren, die das Vehikel mit einer in sechs Monaten fälligen Marge an das Unternehmen weiterverkauft. Das Papier verkörpert dann eine Handelsforderung: Zu 100 gekauft, bringt es bei Fälligkeit 102, wobei die Marge beim Verkauf feststeht.
Darf das Papier vor Fälligkeit verkauft werden?
Nach AAOIFI darf eine Murabaha-Forderung nur zum Nennwert übertragen werden, was einen aktiven Sekundärmarkt verhindert. Malaysische Behörden ließen den Verkauf von Schulden zu verhandeltem Preis historisch zu, eine Position, die die meisten Gelehrten anderswo ablehnen.
Handelbarkeit durch reale Vermögenswerte
Um das Verbot des Schuldenverkaufs zu umgehen, kann der Emittent das Papier mit greifbaren, per Ijara vermieteten Gütern oder einem per Wakala verwalteten Portfolio unterlegen. Der Inhaber besitzt dann einen Anteil an Vermögenswerten, der frei zum Marktpreis übertragbar ist.
Die Mehrheitsregel für Sachwerte
Viele Schariaräte verlangen, dass mindestens die Hälfte des zugrunde liegenden Portfolios aus realen Gütern oder Nutzungsrechten besteht, nicht aus Forderungen oder Bargeld. Überwiegen die Forderungen, wird das Papier wieder zu einer Schuld, die nicht mit Abschlag handelbar ist.
Ein vom Emittenten verwaltetes Wakala-Portfolio
Der Emittent erhält die Mittel als Bevollmächtigter, investiert sie in eine Mischung aus Ijara, Murabaha und konformen Aktien und strebt eine indikative Rendite an. Ein Überschuss kann ihm als Anreizgebühr zufallen, das Kapital garantiert er jedoch nur bei Fehlverhalten oder Fahrlässigkeit.
Malaysias Programme für kurzfristige Sukuk
Malaysia hat einen sehr aktiven Markt für islamische Commercial Paper aufgebaut, oft kombiniert mit mittelfristigen Programmen in einer einzigen Dokumentation. Die Emissionen unterliegen den Leitlinien der Securities Commission Malaysia und werden von lokalen Agenturen bewertet.
Zentralbanken und IILM: sehr kurze Sukuk
Seit 2013 begibt die International Islamic Liquidity Management Corporation geratete, handelbare Sukuk mit wenigen Monaten Laufzeit für islamische Banken mehrerer Länder. Auch einige Zentralbanken am Golf geben kurze Sukuk aus, um überschüssige Liquidität abzuschöpfen.
Der Weg der Bank of England
Im Jahr 2017 eröffnete die Bank of England eine zinsfreie alternative Liquiditätsfazilität auf Wakala-Basis, die hochwertige Sukuk als Sicherheit akzeptiert. Sie reagiert auf den Mangel an kurzfristigen liquiden Aktiva für britische islamische Banken.
Wer kauft diese Papiere und zu welchem Preis?
Käufer sind vor allem islamische Banken, konforme Geldmarktfonds und Takaful-Betreiber, die Überschüsse für einige Wochen anlegen wollen. Die Rendite wird oft mit Bezug auf einen Interbankensatz festgelegt, ein reiner Preismaßstab, den die meisten Schariaräte dulden.
Warnsignale für Anleger
Anleger prüfen die tatsächliche Art der zugrunde liegenden Güter, ob eine Rückkaufzusage zum Nennwert besteht, die AAOIFI bei Beteiligungspapieren untersagt, und die echte Liquidität, denn viele kurze Papiere werden mangels Käufern bis zur Fälligkeit gehalten.
Spezialisierte externe Quelle
Die Bank of England erläutert die Grundsätze des islamischen Finanzwesens und wie sie ihre Liquiditätsinstrumente für Banken angepasst hat, die keine verzinsten Aktiva halten dürfen.
