Bankliquidität über Murabaha mit Metallen und Palmöl steuern

Bankliquidität über Murabaha mit Metallen und Palmöl steuern

Vom Liquiditätsüberschuss einer Bank zum Metall, das binnen Minuten gekauft und weiterverkauft wird: so läuft eine konforme Interbankanlage.

Commodity Murabaha ist ein Geschäft, bei dem eine Bank eine börsengehandelte Ware, meist ein Basismetall, per Kasse kauft und mit einem später zahlbaren Aufschlag an eine Gegenpartei weiterverkauft, um ohne verzinsliches Darlehen Liquidität anzulegen oder zu beschaffen.

Eine Treasury-Anlage zwischen islamischen Banken

Islamische Banken dürfen am Geldmarkt weder über Nacht verzinslich verleihen noch leihen. Um einen Überschuss anzulegen oder eine Lücke von einigen Tagen bis Monaten zu schließen, nutzen sie untereinander Terminverkäufe von Metall auf Basis eines Rahmenvertrags.

Zehn Millionen für eine Woche anlegen: ein Rechenbeispiel

Bank A hat einen Überschuss von 10 Millionen. Sie kauft bei einem Broker Kupfer für 10 Millionen und verkauft es an Bank B für 10.008.000, zahlbar in sieben Tagen. Bank B veräußert das Kupfer sofort per Kasse und erhält so ihre Liquidität.

Aufträge, Bestätigungen und Warrant-Nummern

Jeder Schritt wird mit Zeitstempel dokumentiert: Kaufauftrag, Eigentumsbestätigung mit Losen und Lagerhaus, Verkaufsangebot, Annahme und gegebenenfalls Vollmacht zum Weiterverkauf. Standardisierte Rahmenverträge, etwa die der IIFM, regeln diesen Ablauf und die Pflichten jeder Partei.

Kupfer, Aluminium, Nickel: warum Basismetalle?

Diese Metalle sind standardisiert, lagern in zugelassenen Lagerhäusern und sind nach Losen identifizierbar, was einen schnellen Eigentumsübergang erlaubt. Gold und Silber sind ausgeschlossen, weil ihr Tausch gegen Geld beidseitig sofortige Lieferung verlangt und damit keine aufgeschobene Zahlung zulässt.

Bursa Suq Al-Sila, die elektronische Plattform Malaysias

Die Ende der 2000er-Jahre von Bursa Malaysia gegründete Plattform organisiert Warenverkäufe, vor allem von Rohpalmöl, für Murabaha- und Tawarruq-Geschäfte. Sie verbindet Lieferanten, Banken und Broker und bestätigt jeden Eigentumsübergang elektronisch.

Mehrere Währungen und Abschlüsse in Minuten

Teilnehmer können in Ringgit ebenso wie in Fremdwährungen handeln, und die Abfolge aus Kauf, Terminverkauf und Weiterverkauf ist oft in wenigen Minuten erledigt. Institute außerhalb Malaysias greifen über Broker darauf zu, was sie zur Alternative zum Londoner Weg macht.

Londoner Broker und LME-Warrants

Historisch lief der Großteil des Volumens über Broker in London, die Metallbestände mit Warrants der London Metal Exchange halten. Dasselbe Los kann an einem Tag mehrmals an verschiedene Banken verkauft werden, was manche Shariah-Prüfer genau untersuchen.

Metall besitzen, das man nie zu Gesicht bekommt

Die kaufende Bank nimmt die Ware nicht physisch entgegen, sondern erhält ein Zertifikat, das ihr bestimmte Lose zuordnet. Die AAOIFI-Standards erkennen diesen konstruktiven Besitz an, wenn das Verlustrisiko tatsächlich übergeht und die Lose eindeutig bezeichnet sind.

Termineinlagen mit fester Rendite beruhen auf demselben Aufbau

Um einem Kunden eine Einlage mit im Voraus bekannter Rendite zu bieten, tauscht die Bank die Rollen: Der Kunde kauft, vertreten durch die Bank, Metall per Kasse und verkauft es mit einem bei Fälligkeit zahlbaren Aufschlag an dieselbe Bank.

Zentralbanken und Liquiditätskennzahlen

Mangels ausreichender konformer Wertpapiere haben mehrere Währungsbehörden Commodity-Murabaha-Geschäfte genutzt, um islamischen Banken Liquidität zu entziehen oder bereitzustellen. Da diese Forderungen kaum handelbar sind, zählen sie wenig für die Puffer nach den Liquiditätsregeln von Basel III.

Organisiertes Tawarruq: warum Juristen uneins bleiben

Für die Partei, die das Metall weiterverkauft, entspricht das Geschäft einem organisierten Tawarruq, das die Internationale Fiqh-Akademie der OIC 2009 missbilligte. Der AAOIFI-Standard lässt es unter Bedingungen zu, rät aber, es nicht zum Hauptinstrument zu machen; andere bevorzugen Wakala oder Sukuk.

Was ein Shariah-Audit bei diesen Anlagen prüft

Der Prüfer kontrolliert, dass der Kauf tatsächlich vor dem Weiterverkauf liegt, der verkaufende Broker nicht Endkäufer ist, die Lose nicht zum ursprünglichen Verkäufer zurückkehren und keine unbezahlte Fälligkeit mit zusätzlichem Aufschlag auf die Schuld verlängert wird.

Spezialisierte externe Quelle

Die Shariah-Standards der AAOIFI, insbesondere jene zu Murabaha und Tawarruq, beschreiben die Anforderungen an Besitz, Vertragsreihenfolge und Weiterverkauf, die für diese Anlagen gelten.

AAOIFI Shariah Standards